Projekt UCI-WM – Teil 1: Radweltpokal in St. Johann in Tirol

Die “offiziellen” UCI-Weltmeisterschaften der Masters-Klassen wurden 2015 endlich nicht mehr als Jedermannrennen, sondern als echte Amateur-WM ausgeschrieben. Das Procedere ist für all jene zweischrittig, die nicht in den Genuss von Wildcards des Nationalverbandes (in unserem Fall also des BDR) kamen. In einem ersten Schritt muss man bei einem der 13 auf verschiedene Länder und Kontinente verteilten UCI World Cycling Tour-Qualifikationsrennen unter die ersten 25% der Startenden fahren. Die Qualifier-Rennen sind Jedermannrennen, aber eine Anmeldung zum WM-Finale ist nur für Lizenzfahrer möglich – ein Kompromiss, mit dem man leben kann. Die Straßen-WM selber wird dann in einem Finalrennen ausgetragen, welches im September 2015 in Aalborg im nördlichen Teil Dänemarks stattfindet.

Da wir keine Wildcards des BDR erhielten (das Vergabeverfahren verlief beim BDR aus Sicht der Sportler völlig intransparent), mussten wir ein Qualifier-Rennen nutzen, um das Ticket für Aalborg zu lösen. Wir wählten dafür das in erreichbarer Entfernung gelegene Weltpokal-Jedermannrennen in St. Johann – ausgetragen auf einem Kurs, den wir von früheren WM und auch von der Tiroler Masters-Radrundfahrt gut kannten. Mit gut 40 Fahrern in der AK 45-49 und 60 Startern in der Klasse der 50- bis 54-Jährigen waren die gemeinsam gestarteten aber getrennt gewerteten Rennen des Radweltpokals bzw. des UCI-World-Cycling-Tour-Rennens in St. Johann besetzt. Los ging es bei bestem Wetter über die reichhaltig beflaggte Zielgerade in Richtung Huberhöhe. Micha kam „frisch aus dem Urlaub“ und Torsten konnte sich in der Schweiz auf das Rennen vorbereiten. Rigo und Jörg hatten bis zum Vortag noch Rennetappen in der Weltradsportwoche in Hartberg absolviert und standen daher mit recht schweren Beinen am Start.

Der Rennverlauf des über 112 km führenden Rennens mit Micha, Jörg und Rigo war von unrhythmischer Fahrweise geprägt: quasi das gesamte Rennen über attackierten einzelne Fahrer, Duos oder Trios, ohne dass sich auf den ersten 100 km eine der Gruppierungen entscheidend hätte absetzen können. In der ersten Rennhälfte war es Fabio Zambon, der mindestens ein halbes Dutzend Male attackierte und dem man irgendwann mal seinen Ausflug gewährte, damit mal etwas mehr Ruhe in die Feldspitze kommt, zu Rennmitte lancierten zwei Italiener eine fulminante Attacke an der Huberhöhe, die in der folgenden Abfahrt verpuffte. Erst die dritte Runde ergab an der Huberhöhe, die nun mit konstantem Zug flott angegangen wurde, eine Teilung des Feldes in eine vordere Gruppe aus ca. 15 Fahrern, aus der heraus wiederum ständig attackiert wurde. Jörg und Rigo konnten in dieser Rennphase den Anschluss an die Spitze leider nicht halten, wobei Jörg sich noch in der 2. Gruppe etablieren konnte.

In der vorderen Gruppe konnte sich etwa 13 km vor dem Ziel Jan Birk Oxlund etwas deutlicher vom Feld lösen, aus dem sofort wieder mehrere Nachsetzversuche begannen. Im Zuge des Einfangens einer solchen Attacke wurden Micha und Luis Castor Gonzalez etwas vor die Gruppe gespült. Micha beschleunigte weiter und nahm den Spanier mit. Frank Meeßen war aus der vorderen Gruppe der einzige, der den Braten roch und noch hinzusprang. Mit Tempo 50 wurde schnell eine Lücke zur Verfolgergruppe aufgetan und man hatte Oxlund bald eingeholt, so dass ein Quartett aus drei UWCT-Wertungsfahrern und Oxlund als Weltpokal-Sieganwärter die neue Spitze bildeten. Ein Paar motivierende Worte, dass man nun bei Zusammenarbeit das UWCT-Podium sicher habe und der Zug rollte mit Tempo 44 gut weiter. Knapp 2 km vor dem Ziel fuhr Oxlund dann eine richtig harte Attacke, Micha setzte nach, bekam aber die Lücke nicht ganz zu – musste er auch nicht, da Oxlund im anderen Rennen fuhr. Die beiden UWCT-Mitfahrer Meeßen und Gonzalez konnten der Beschleunigung von Oxlund und Micha nicht folgen, so dass nach dem Durchdrücken der Attacke ein klarer Zieleinlauf resultierte. Oxlund gewann den Radweltpokal, Micha das UWCT-Rennen. Mit jeweils leichtem Rückstand folgten Meeßen und Gonzalez auf Plätzen 2 und 3 der UWCT-Wertung. Jörg konnte in der 2. Verfolgergruppe zwar noch den Zielsprint und damit Platz 7 im UWCT-Rennen gewinnen, was auch ihm die Qualifikation einbrachte. Rigo war nach Hartberg zu erschöpft und kämpfte sich noch als Solist ins Ziel.

In der Klasse Ü50 war Torsten von den Jenatecs allein am Start über zwei Runden. Schon in der ersten Anfahrt zur Huberhöhe wurde Vollgas gegeben. Der Italiener Giovanni Lattanzi zog von vorn los und nur der Brasilianer Ubirajara und ein weiterer schneller Italiener von einem anderem Team zogen im ersten Moment hinterher. Da in Feld niemand annähernd so schnell fahren wollte oder konnte, musste Torsten über die Kuppe und die nachfolgende Abfahrt allein die Lücke zu den Dreien schliessen. Die Gruppe harmonierte zumindest in der ersten Runde relativ gut mit hohem Tempo, so dass am Beginn der zweiten Runde etwa 1,5 Minuten auf das Feld herausgefahren war. Auch das zweite Mal zog der italienische Initiator der Gruppe dermaßen zur Huberhöhe an (400-550 Watt den ganzen Anstieg), dass die Gruppe danach nicht mehr rund lief. Das nutzte der zweite Italiener auf der Kuppe im Örtchen Schwendt, um alleine loszuziehen. Er hielt den Vorsprung von gut 100 Metern bis ins Ziel, war jedoch an der Nummer erkennbar nicht im Quali-Rennen am Start. Den Zielspurt konnte Torsten wegen Krämpfen nicht voll durchziehen und wurde hinter dem Brasilianer Zweiter in der UWTC-Wertung. Damit war die Quali für die WM in Aalborg auch für Torsten sicher geschafft.

Die erfolgreichen Qualifier-Ergebnisse wurden Szene-gemäß im Eiscafé Venezia genossen, bevor es zur abendlichen Siegerehrung mit St.-Johann-typischem großem Kino ging.

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