Projekt UCI-WM 2017 – Poznan

Geht´s schon in die Winterpause, weil über 2017 geschrieben wird? Nein, natürlich nicht, denn sofort nach der WM in Perth beginnen die Qualifikationsrennen für die Teilnahme an der UCI-WM 2017 in Albi! Wer nicht auf die Wildcards des BDR spekulieren mag, der muss in einem der weltweit ausgetragenen und als UCI-Qualifyer-Events akkreditierten Granfondo-Rennen durch ein Ranking unter den top-25% seiner AK ein Ticket für die Finalteilnahme lösen. Da der Kalender der 2017er-Qualifyer noch nicht veröffentlicht ist, Poznan aber in erreichbarer Entfernung schon 2016 als Qualifier-Event feststand, machte sich das Fahrerquartett aus Rigo Schultz, Jörg Pacher, Torsten Kunath und Michael Schaefer auf die Socken nach Poznan. Erti war leider erkältet, sonst wären wie sogar fünf gewesen. In Poznan wurden erst die Startunterlagen abgeholt und dann die relevantesten Kilometer des Kurses besichtigt – wegen der Bruthitze ganz dekadent im Auto. Danach Check-in und Beine hoch im Hotel, abends noch ein kurzes Lockerungsründchen, Abendessen, Bettchen.

Die Sonn(en)tagstemperaturen mit über 30°C, nur schwacher Wind, quasi topfebene Strecke … und knapp 2000 Starter – das versprach ein Jedermann-Getümmel der Sonderklasse. Zum Glück konnten wir aus Block A starten, in dem “nur” knapp 300 Starter nach langer Wartezeit im Block durch eine Gesandtschaft des Polnischen Verva Pro Cycling Teams auf die Reise geleitet wurden. Unsere Strategie: ab nach vorn und dort auch bleiben, um einem Jedermann-Chaos mit entsprechendem Sturzrisiko zu entrinnen! So ging es zunächst auf eine kurze Runde um den Innenstadtring, bevor die ersten engeren Kurven kamen und ein kurzer Schnellstraßenabschnitt auf die eigentliche Außenstrecke führte. Kaum war man dort angelangt, gingen schon Attacken los und zwei Fahrer eines Teams lagen ein wenig vorn. Als ein hoch aufgeschossener und drahtig wirkender Fahrer nachsetzte (es war wie sich nach dem Rennen herausstellte Grzegorz Golonko, der zwei Tage zuvor das Zeitfahren seiner AK gewonnen hatte), sprang unser Micha sofort an sein Hinterrad und verlängerte. Die beiden sogleich aufgeholten Fahrer erwiesen sich leider als nicht sehr durchzugskräftig: einer fiel sofort ab und der zweite ging auch kaum mehr durch die Führung. Naja, wenigstens ist man in einer Fluchtgruppe zunächst mal sicher unterwegs, und die anderen drei Jungs müssen hinten nicht Tempoarbeit verrichten. Aus dem Feld preschten immer wieder Einzelfahrer vor, aber die Attacken endeten aufgrund des hohen Grundtempos regelmäßig in Sichtweite mit Motorplatzern. Weiter hinten im Feld ereigneten sich dabei schon die ersten Stürze … also hielten sich Jörg, Torsten und Rigo stets vorn auf, und verschleppten immer wieder das Tempo – was bei einem so großen Pulk allerdings auch nur begrenzt geht.

Nach 36 km im quasi-Paarzeitfahren kam das Feld trotz eines 43,5er-Schnitts wieder merklich näher. Micha schaltete auf Energiesparmodus um, während ein Einzelfahrer (Michał Przybysz) aus dem Feld nach vorn kam. Kurzes Antesten, ob dieser Fahrer eine entscheidende Wende bringen könnte – nein, das sah nicht so aus. Also war klar, dass man noch mehr Unterstützung aus dem Feld heranziehen müsste. Nach 45 km in der Flucht ließ sich Micha ins Feld zurückfallen – aber nicht lange, denn es ging nun auf eine schwache Windkante. Micha zog 7 km später mit drei weiteren Fahrern erneut los, erreichte bald wieder die Spitze und hoffte, dass mit nun 6 Fahrern etwas mehr Zug in die Sache kommen könnte. Leider wieder falsch gehofft, denn von den 6 Fahrern führten nur vier und bald darauf nur noch drei Fahrer. An der Wende mit Zwischenzeitnahme war das Feld nur 15 s zurück. Erstaunlicherweise öffnete sich die Lücke dann doch wieder, aber viel mehr als 60 s lag die Gruppe nie vorn. Golonko führte schon ab der Wende gar nicht mehr, dafür aber tauchte aus dem Nichts ein älterer Fahrer (Merx Team PL) auf und mischte sich in unsere Spitze. Hmm … auch sonst wurde mal ein einspurender Fahrer gesichtet – und 18 der 290 für das WM-Finale qualifizierten Fahrer haben keine Zwischenzeit vom Wendepunkt …

Wenige km bevor es wieder nach Poznan hineinging, waren die insgesamt 90 Fluchtkilometer dann vorüber; ein ca. 100 Fahrer starkes Feld war auf die immer langsamer gewordene Spitze aufgelaufen. Darin war die Qualifikation nach menschlichem Ermessen bereits sichergestellt, also musste man jetzt nicht mehr übermäßig viel Aktivität entwickeln. Trotzdem waren die Positionen weiter vorn immer noch ratsam, da Fahrer nach vorn drängten, die man das gesamte Rennen über nie gesehen hatte, und die Fahrweise wieder ruppiger wurde. Zwei Grüppchen gelang jeweils eine Trennung vom Feld. Auf den letzten 5 km holte dieses die hintere Gruppe zwar wieder ein, aber drei Fahrer der vordersten Gruppe konnten sich mit wenigen Sekunden Vorsprung bis ins Ziel retten. Bei uns waren somit allenfalls noch AK-Erfolge möglich, aber die Hitze und die Arbeit im vorderen Feld und in den Fluchtgruppen machten sich bemerkbar, so dass mit den Gesamträngen 22 (Rigo), 37 (Micha), 80 (Jörg) und 107 (Torsten) und den AK-Rängen 4, 5, 8 und 13 keine AK-Podestplätze mehr heraussprangen. Letztlich waren die Ziele der WM-Qualifikation aber erreicht und eine etwas frühere Abreise war angesichts der noch anstehenden Fahrzeit auch nicht unangenehm.

Im schön gestalteten Eventbereich an einem innerstädtischen Regatta-See mit umliegendem Naherholungsgebiet gab es Verköstigung, Getränke und etwas Schatten zu genießen. Nach Kaffee und Abwarten der offiziellen Ergebnislisten ging es mit vier virtuellen WM-Tickets in der Tasche auf die Heimreise.

Bilder vom Veranstalter

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