Deutsche Meisterschaften – der Staffelstab wurde weitergegeben

Das oberste Radsporthighlight der Mastersklassen in Deutschland ist die Austragung der Deutschen Meisterschaften. Mit Christians Meistertitel von 2016 hatten wir auch etwas zu verteidigen! Dieses Jahr lud zum wiederholten Mal Görlitz die Titelaspiranten an die Landeskrone ein, um auf bekannt profiliertem Kurs nach Altersklassen 2, 3 und 4 getrennt die Meistertitel auszufahren. Nachdem sich das Team für die frühen Rennen der Masters 2 und 3 am Vortag schon zu einer Streckenbesichtigung getroffen hatte, begab man sich in die Innenstadt zum Abendessen, wo auch das Adam-Donner-Team schon am Nachbartisch Platz genommen hatte. Wechselseitig die Favoritenrolle zuschiebend wurde noch nett geflachst.

Am Morgen des Renntages kam die bedrückende Nachricht von Torsten Arndts tödlichem Unfall. In vielen Rennen war man gemeinsam unterwegs, unser Micha S. auch schon im Team an seiner Seite und in seinem Trikot bei der Tiroler Masters-Radrundfahrt. Die Bilder seines Gesichts, zuletzt noch am Vortag zusammen mit Hans-Peter Grünig in bester Stimmung begrüßt, meißelt sich ein, wo der Mensch ging. Eine Gedenkminute vor Start des ersten Rennens musste genügen, kaum jemand nahm seinen Radhelm ab, dem Wunsch des späteren Siegers an den Streckensprecher, die Nationalhymne für 10 Sekunden ohne Applaus leise ausklingen zu lassen, wurde nicht entsprochen, so dass die Empathie im Privaten blieb. Dort aber wird sie bleiben – für die Familie und Angehörigen wie für die Freunde von Torsten. Ruhe sanft, Torsten.

Die äußeren Bedingungen für die Meisterschaftsrennen waren gut bis sehr gut: nur leichter Wind, zum späteren Rennen der Sen 2-Kategorie etwas schwülwarm, aber es blieb trocken. Zuerst gingen die Masters 3 für 5 Runden (87 km) auf die Strecke. Aus unserem Team dabei waren Falk, Jörg, Harry und Micha S. Torsten laboriert weiter an Rippen- und Schulterverletzungen aus seinem glücklicherweise nicht noch schlimmer verlaufenen Unfall. Er war dennoch mitgereist und sorgte den gesamten Renntag mit Andreas und den mitgereisten Ryoko und Katrin am Streckenrand für Verpflegung und Informationen – vielen Dank! Fünf Minuten nach dem Start der Senioren 3 ging es auch für Christian mit seiner AK los: sie fuhren 3 Runden mit 52 km.

In der Masters 3-Klasse wurde der Rennverlauf durch eine kleine Zufallskette mitbestimmt: nach nur einer halben gefahrenen Runde löste sich nach dem kurzen Friedersdorfer Berg der Zeitfahrer Holger Faupel vom Feld und begann, eine kleine Lücke aufzubauen. Unser Micha S sprang aus dem Feld zu Faupel vor und hatte dabei Maik Beer (Bürstner-Cycling-Team) an seinem Hinterrad. An Faupel vobeigehend verlängerten Micha und Maik Beer mit weiteren Beschleunigungen, wobei zu Faupel eine Lücke aufging und dieser wenig später ins Feld zurückfiel. So lag man nach gerade mal 10 gefahrenen Kilometern nur zu zweit 10 s vor dem Feld. Maiks hohe Zeit- und Bergfahrerqualitäten kennend gab es ein schnelles Einvernehmen: weiterziehen! Was folgte, war ein extremer Ritt, bei dem sich Maik und Micha in Paarzeitfahr-Manier perfekt ergänzten und eine schnelle Runde nach der anderen hinlegten. Zeitgleich positionierten sich Falk, Jörg und Harry immer wieder an der Feldspitze und sorgten dort für Tempoberuhigungen, ohne die ein mittlerweile auf ca. 1 min angewachsener Vorsprung kaum über die Folgerunden erhalten geblieben wäre. In der dritten Runde wurde im Feld zwar an den Wellen heftig attackiert, aber durch das Nachsetzen unserer Teamfahrer kam keine Gruppe entscheidend vom Feld weg. Erst in der Schlussrunde fügten sich die Fahrer im Feld in ihr Schicksal und bereiteten sich auf den Sprint um Platz 3 vor. Maik und Micha blieben hingegen ihrem “Flow” bis zum Schlusskilometer treu. Im Zielsprint hatte unser Micha die etwas größeren Reserven und setzte sich gegenüber Maik durch, dem für seine Leistung allerhöchster Respekt gebührt. Harry, der in der Schlussrunde etwas Kräfte fürs Finale sammelte, konnte die absoluten Sprintspezialisten Maik Herold, Stefan Steiner und Rainer Beckers sowie die top-Allrounder Frank Erk und Ralf Keller zwar nicht mehr gefährden, aber die zweite Sprintgruppe führte er an und holte sich damit auch noch den hervorragenden 8. Platz.

Weini konnte in seinem Rennen zwar nicht in die Viererspitze aus dem späteren Sieger Uwe Hecht (BDO Masterteam Leipzig), und den Platzierten Manfred Böhm, Robert Glaßl und Erwin Hickl vordringen und kam mit dem Hauptfeld an, sein persönliches Ziel lag allerdings auch nicht in einer Titelverteidigung, sondern er wünschte sich die Meistertrikot-Weitergabe an einen anderen Fahrer im Team. Dies war dann ein herzlicher Moment zwischen Weini und Micha S. Somit wird auch in der Saison 2017/18 im Jenatec-Lawi-Masters-Team ein DM-Meistertrikot fahren, der Staffelstab ist weitergereicht.

Im später startenden Rennen der Masters 2 lagen dann Freud’ und Leid nahe beieinander. Von uns am Start waren die beiden Berliner Recken Micha K. und Hendrik, verstärkt durch den Leipziger Christoph. In den ersten Runden luchste Christoph durch Attacken den Fahrern im Feld das eine oder andere Korn und hielt damit das Pulver der Favoriten trocken. Am Ende der 3. Runde stapfte Micha K. nach dem Schlaurother Berg los. Etwas später schlossen zu ihm mit Marek Bosniatzki (Bürstner-Cycling-Team) und Markus Westhäuser (BIKE-o-RADO Racing Team) zwei Favoriten sowie mit Christoph Haxsen (RSG Lohne-Vechta) ein unbekannterer Fahrer auf. Das Quartett schlug ein hohes Tempo an und man kurbelte in den beiden folgenden Runden 2 Minuten Vorsprung gegenüber dem Feld heraus, so dass die Titelentscheidung aus den Fahrern dieser Gruppe fallen musste. Leider bekam Micha akut Rückenprobleme und musste in Spitzenposition liegend das Rennen beenden. Im Feld konnte sich noch eine 14 Fahrer starke Gruppe ablösen, aus der Hendrik noch auf Platz 8 in einen top-10-Rang sprintete. Es gewinnt Westhäuser den Meistertitel der Senioren 2 vor Bosniatzki und Haxsen.

Insgesamt war es somit ein erlebnisreiches Wochenende mit einem durch Teamengagement erreichten Meistertitel der Masters 3, dem ein Trauerflor und positives Gedenken an Torsten Arndt anhaften wird.